NOlympia Kiel FAQ und Faktencheck
Thilo Pfennig
OLYMPIA FAQ KIEL
Ihr habt weitere Fragen? Dann schreibt an kontakt AT okiel.de
- ZEITPLAN UND PLÄNE -
Was alles nötig wird:
Wann könnte Kiel Teil der Olympischen Sommerspiele werden?
Aktuell befindet sich die Stadt Kiel auf dem Weg, sich als Teil der Sommerspiele 2036 oder 2040 und 2044 zu bewerben. Die Kieler Ratsversammlung hat am 21. November 2024 in der Drucksache 1355/2024
Der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Ratsversammlung der Landeshauptstadt Kiel sind sich einig, dass die Stadt Kiel sich als hervorragend geeigneter Austragungsort für die Disziplinen Segeln, Coastal Rowing (Küstenrudern) und Freiwasserschwimmen bewerben soll. …
Alle im Landtag vertretenen Fraktionen (CDU, GRÜNE, SPD, FDP, SSW) haben am gleichen Tag auch eine Unterstützung beschlossen.
Welche Investitionen wären nötig, um die Spiele in Kiel durchzuführen?
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Bürgerentscheid: 300.000 € (inklusive 30.000 € Mehrkosten für seperates Datum)
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Bewerbungsphase 2036: Anhand der Beantwortung einer Kleinen Anfrage der Linken 2015 wissen wir, das am 9.10.2015 bereits 1 Mio Euro vor Ende dieser Phase aufgelaufen waren. Man kann mit ca. 2 Mio bis zur Kandidiatenauswahk des DOSB am 26. September 2026 rechnen, bei der festgestellt wird, ob Kiel Teil einer Bewerbung ist (und nicht Rostock). Wobei das DOSB vermutlich nur über die Hauptbewerberstadt entscheidet und nicht über den Austragungsort des Wassersports?
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Bewerbungsphase 2040: Sollte Deutschland 2026 nicht am Zug sein, gilt die Entscheidung auch für die Folgebewerbung. Dann verlängern sich die Kosten. Man könnte konservativ also damit rechnen, dass eine Enscheidung 2026 mindestens fünf Millionen Euro kosten könnte.
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Durchführungskosten:: 2025 wurden diese mit „maximal 41 Mio Euro“ beziffert. Das entspräche eher den Kosten von 1972, nur mit einem Inflationsaufschlag (siehe NDR-Beitrag: Fünf Prozent von 500 Mio DM.
“Wir waren so eine Art Weltstadt am Rande - für eine kurze Zeit.” Insgesamt beliefen sich die Ausgaben für das Event Istel zufolge auf rund 500 Millionen Mark. “Die Stadt hatte so glücklich verhandelt, dass sie am Ende nur fünf Prozent davon zahlen musste. Und die Anbindung an die Autobahn nach Hamburg - das war die Anbindung an die Welt!” (Werner Istel Pressechef)
Wenn wir von 265-272 Mio. Euro INSGESAMT für Kiel ausgehen (siehe Berechnungen KielKontrovers 20.2.26) , kommt es darauf an, wie viel der Bund von de Kosten übernehmen würde. Man könnte aufgrund historischer Daten von ca. 30% ausgehen. Dann blieben für die Stadt Kiel 61-90 Mio Euro über (Schätzung am 20.2.26 aktualisiert nach Neuberechnung).
An der Stelle steht auch ein großes Fragezeichen, ob man denn wirklich 2025 so Vieles aus 1972 wieder benutzen kann. Es ist eher zu vermuten, dass die Kosten für Olympia 2036 höher liegen werden, als 1972, auch wenn damals wirklich sehr Vieles neu gebaut werden musste. Für das Olympische Dorf alleine will man offenbar neue Flächen von der Gemeinde Strande erwerben.
Wann findet der Bürgerentscheid statt? Was steht zur Wahl
Der Bürgerentscheid ist für den 19. April 2026 festgelegt. Man kann sich schon heute die Wahlunterlagen für Briefwahl zukommen und lassen und ab dem 9./10. März kann man in den Sofortwahlbüros wählen gehen. Weiteres erfährt man auf kiel.de/wahlen.
Welche Bewerberregionen stehen zur Wahl?
- Berlin (mit Rostock als Austragungsort für Segelwettbewerbe)
- Hamburg
- München (positiver Bürgerentscheid
- Rhein-Ruhr
Wann wird über die deutsche Bewerberstadt entschieden?
Der DOSB will im Herbst 2026 auf einer Mitgliederversammlung über die Deutsche Bewerberstadt entscheiden.
Wann entscheidet das IOC, in welchem Land 2036/2040 die Sommerspiele ausgetragen werden?
Am 26. September 2026.
- DIE PRO-SEITE -
Welche positiven Erwartungen knüpfen Befürworter:innen an Kiels Bewerbung?
- Investitionen in Infrastruktur, die es sonst nicht geben wird
- mehr Tourismus
- Kiels Bekanntheit würde steigen
- Es würde die Stadtgesellschaft zusammenbringen
- Werbung für das Segeln und Sport(begeisterung)
- Für viele einmalige Chance Olympische Spiele in der eigenen Stadt
- Für Wassersportler:innen in Deutschland kurze Wege und teilweise im eigenen Revier
- Aber in Kiel wird die Olympiade ganz nachhaltig
- NUR wenn Olympia kommt wird Infrastruktur in Kiel saniert
Wer unterstützt die Bewerbung
- Stadt Kiel mit Kiel Marketing (Eigene Meldung)
- Landesregierung Schleswig-Holstein (Pressemitteilung)
- Industrie und Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein (Pressemitteilung)
- Kieler Yacht-Club (Eigener Bericht)
- diverse Firmen (die wir hier nicht aufzählen wollen)
Wo sind die Infoseiten der Befürworter?
- Stadt Kiel: https://www.kiel.de/de/kultur_freizeit/kiel_kann_olympia.php “Kiel kann Olympia”
- IHK und Kieler Yacht-Club: https://jo-kiel.de/
Was ist die Antwort der Stadt Kiel auf Kritik von Bürger:innen?
Diese kann man in einer Antwort auf eine Einwohner:innenanfrage am 14.8.2025 nachlesen
- Auf die Frage nach Belegen für eine vorhandene Olympiabegeisterung konnten keine Belege seit 2024 genannt werden, nur Verweise auf vergangene Segelevents.
- Auf die Frage, wie man bei aktuell schlechter Haushaltslage eine Olympiabewerbung vermitteln will wird darauf hingewiesen, dass die meiste Infrastruktur, die benötigt wird, bereits in Kiel existiert. Und das Investitionen „überschaubar“ und „auf ein Minimum reduziert“ wären.
Da bisher aber keine Zahlen vorliegen fragt man sich schon, wie die Stadt schon heute solche Aussagen treffen mag, wenn sie gleichzeitig nicht in der Lage ist eine Kostenschätzung vorzulegen.
- DIE CONTRA-SEITE -
Welche Befürchtungen haben Kritiker:innen der Bewerbung
- Die Kosten: Es ist vollkommen unklar, was es kosten wird und viele Faktoren entscheidet nicht Kiel, sondern der IOC
- Steigende Mieten und Gentrifizierung
- Über Jahre und Jahrzehnte muss ggf. an anderer Stelle gespart werden
- In Zeiten der Haushaltskrise ist es nicht vermittelbar ein solches finanzielles Risiko für die Zukunt eimnzugehen
- Spaltung der Stadtgesellschaft in Arm und Reich
- Überfüllung durch Touristen
- Die Durchführung würde Kiel organisatorisch überfordern
Steigende Mieten und Gentrifizierung
Welche Folgen sind realistisch? Realistisch scheinen vor allem lokale Auswirkungen auf Schlilksee selbst. Der Spiegel schrieb zu den Nachwirkungen etwas am 8.10.1972 in dem Artikel Gurke voller Geld. Relativ sicher sind kurzfristige Preissteigerungen in der Hotelbranche. Von München sind teilweise Preissteigerungen von 50-100% in einem Zeitraum von 10 Jahren zu verzeichnen gewesen nach der Olympiade. Eine Attraktivierung und Aufwertung des Stadtteils wird daher ziemlich sicher für manche Menschen Schilksee unbezahlbar machen. Es wird dann bis zur Olympiade einen stetigen Preisanstieg (auch Eigentumswohnungen), besonders im Vergleich zu Rest-Kiel geben in Erwartung vom Olympia-Effekt. Für ganz Kiel ist so ein Effekt eher unwahrscheinlich, aber natürlich zieht Schilksee dann den Durchschnitt nach oben.
Aber in Kiel wird die Olympiade ganz nachhaltig
Diese Versprechungen hören wir immer wieder. Die Realtät sieht aber immer anders aus. Bisher fehlen Belege, wieso es in Kiel nachhaltiger zugehen soll. Warum sollte es Kiel als erste Stadt der Welt gelingen, dies zu schaffen?
NUR wenn Olympia kommt, werden Sportstätten saniert
Der Rahmen für eine Olympiade ist immer größer als das, was für den Breitensport nötig wäre. Wieso sparen wir heute denn an den Sportstätten, wenn wir 2036 dann bereit sind hunderte Millionen auszugeben?
Echte Nachhaltigkeit investiert nicht für Großereignisse, sondern beständig und nicht nur in olympische Infrastruktur. Was ist mit den kleinen Basketballplätzen und Hallen, die nicht für Olympia gebraucht werden?
Wieviel der Infrastruktur kann man auch Jahre danach noch nutzen? Temporäre Infrastrukturen werden wieder abgebaut.
Kiel ist bei allen Bewerberstädten in Deutschland als Austragungsort fürs Segeln gesetzt
Die Befürworter schreiben:
Kiel ist bei allen Bewerbungen als Austragungsort der Segelwettbewerbe im Boot
FALSCH: Das ist sehr missverständlich! Auch die Stadt Rostock als Region ist noch im Rennen (Meldung des NDR). Berlin hat sich auch bereits auf Rostock-Warnemünde festgelegt (NDR 30.01.25).
Für Sportler:innen ist Olympia das Größte, gerade für die aus Kiel!
Das mag sogar sein. Emotional nachvollziehbar. Viele Menschen spielen auch Lotto und das wäre für sie auch das Größte, wenn sie gewinnen. Aber in einer Gesellschaft muss man eben auch Kosten und Risiken mit berücksichtigen. Alles hat seinen Preis. Und leider können wir uns nicht alles leisten. Gerade auch, weil vielen (auch Sportler:innen) in den letzten Jahren vieles vorenthalten wurde: Sozialwohnungen, Sanierung von Sportstätten, … ist es fraglich, ob man eine Olympiade, die nur wenige Wochen dauert für eine nachhaltige Entwicklung vernachlässigt. Sportstätten sind oft überdimensioniert, denn es ist ein Großevent.
Weil Kiel Kieler Woche kann, kann Kiel auch Olympia
Die Dimensionen und Regeln sind sehr anders: Bei der Kieler Woche darf die Stadt Kiel alles selber bestimmen, bei einer Olympiade gibt der IOC alle Regeln vor und Widerspruch gibt es nicht. Ja, beides enthält auch Segeln, aber die Ansprüche und Dimensionen sind bei den Olympischen Sommerspielen ungleich größer. ZB eigene Fahrspuren für Funktionäre, strenge Regeln, welche Getränke verkauft werden dürfen, Läden müssen für Großunternehmen weiche . Menschen werden vertrieben für ungestörten Spiele. Es ist ein absoluter Ausnahmezustand, wie man zuletzt in Paris gesehen hat. Und es ist noch mal was Anderes als der “Ausnahmezustand Kieler Woche”.
In den Kieler Nachrichten wurde auf die Kritik, das Kiel nicht Olympia sei kommentiert „Die Kieler Woche ist nicht Olympia“. Man dreht es sich also, wie es gerade passt. Ein mal ist die Kieler Woche Beweis dafür, dass Kiel olympiareif ist und wenn was schief geht lehnt man den Vergleich doch lieber ab.
Gegner:innen sind nur gegen Spaß und Sport
Es gibt einen Unterschied zwischen Breitensport und Leistungssport. Olympia ist das Gegenteil von einer Förderung von Breitensport. Es geht primär ums Geld. Der Sport ist leider nur Vehikel für Großkonzerne.
Steht das Olympiazentrum unter Denkmalschutz?
Ja, genau! Hier eine Benachrichtugung vom Landesamt für Denkmalpflege von 2024:
Es ist also nicht ganz unkompliziert, bestehende Infrastruktur in Schilksee umzubauen.
Die Kosten
Bisher gibt es nicht einmal Schätzung für die Gesamtkosten. Diese werden von Bund, Land und Kommune gemeinsam getragen. Waqs passiert, wenn die geschätzten Kosten überzugen werden? Bei der letzten Sturmflut hat das Land viele Kommunen trotz Versprechungen im Stich gelassen. Ohne eine seriöse Kostenschätzung, sollte man solche Spiele nicht in Angriff nehmen. Und es muss auch klar sein, was passiert, wenn die Kosten gesprengt werden. Eventuell bleibt für Kiel dann ein Finanzloch von mehreren hundert Millionen Euro über. Das Risiko tragen wir alle. Die Großkonzerne und der IOC ziehen dann weiter und Kiel könnte auf Jahrzehnte hinweg die Schulden abzahlen müssen.
In Untersuchungen kam heraus, dass alle olympischen Sommerspiele der Neuzeit bei Städten zu Schulden führten, außer ein mal bei Los Angeles 1984. Und trotz zahlreicher Bemühungen steigen die Kosten immer weiter.
Siehe dazu auch The Oxford Olymics Study 20241.
Diese Studie ist wirklich empfehlenswert und sollte zumindest der:diejenige gelesen haben, der:die Olymische Spiele durchführen möchte. Sie sagt auch, dass Schulden quasi unvermeidbar sind.
- ENGAGEMENT -
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