KN: Ist Europe Ocean Race und Olympiade das Gleiche?
Thilo Pfennig
Es ist immer wieder eine Gleichsetzung:
- Olympiade = “Kieler Woche”
- Nun: Olympiade = “Ocean Race Europe”
Aktuell in einem Artikel von Steffen Müller wird angekündigt, die Frage zu diskutieren:
Das Ocean Race Europe in Kiel lockte im Sommer 2025 nicht nur 165.000 Besucher an, sondern erzielte auch einen Umsatz von 39 Millionen Euro. Auch der mediale Gegenwert liegt im Millionenbereich. Könnten diese Summen auch bei Olympia erreicht werden?
Doch was finden wir an Inhalten:
Gesamtkosten von knapp 2,3 Millionen Euro wie zuvor geplant (Aussage Steffen Hesse, Kiel-Marketing)
Gehen wir jetzt mal von den Kosten aus, die Kiel selbst für die Olympiade in den Raum stellt, so gab es da wenig glaubhafte Zahlen bis zu 65 Millionen Euro. NDR vom 5.3.26:
Kosten liegen bei mindestens 65 Millionen Euro
Die Stadt setzt bei der möglichen Bewerbung zum Teil auf die bisherige Infrastruktur im Stadtteil Schilksee. Das Segelzentrum müsste modernisiert werden, so Kämpfer. Unabhängig von den Spielen soll eine neue Bootshalle entstehen. Und zwischen Schilksee und Strande (Kreis Rendsburg-Eckernförde) könnte künftig das Olympische Dorf stehen, sagt der Oberbürgermeister. Nach den Spielen könnte es für sozialen Wohnraum genutzt werden. Allein diese Maßnahmen kosten laut Kämpfer wohl etwa 65 Millionen Euro.
Bereits diese Kosten stehen aber nicht in den Informationen zum Bürgerentscheid.
Vielleicht liegen die Gesamtkosten am Ende bei 500 Millionen? Setze wir das also mit den 2 Millionen Euro ins Verhältnis, so lägen die Kosten für eine Olympiade um das 250-fache höher.
Hätte die Kieler Nachrichten also ihre journalistische Pflicht erfüllt und die offiziellen Zahlen verglichen hätte sie darauf hinweisen müssen, dass die Segelolympiade eben nicht mit 2 Millionen abzuhandeln ist. Das liegt u.a. auch daran, dass das Ocean Race Europe ein Hochseerennen ist, mit Kiel lediglich als Startpunkt. Ein paar zig Sichetrheitskräfte hat es gegeben und nicht wie bei der Segelolympiade neueren Datums zu erwarten mehrere tausend. Auch keine totale Abriegelung von Schilksee, kein Militär.
Offenbar ist die Kieler Nachrichten bereit für die Aussicht auf mehr Umsatz durch verkauften Exemplate sämtliche Standards der Berichterstattung fallen zu lassen und einfach nur alles abzudrucken, was Kiel-Marketing sagt, sei es auch noch so unsinnig und lückenhaft. Und auch ohne es zu gewichten oder zu hinterfragen.
Wenn das der Blickwinkel in Kiel auf die Segelolympiade ist, dann zeugt das von einer weit verbreiteten Naivität und Unkenntnis darum, was eine Olympiade im 21. Jahrhundert ist. Und auch davon, dass man Fakten wie die 75.000 Sicherheitskräfte in Paris ausklammert, so als hätte das nie stattgefunden. Die Presseberichte sind ja alle noch online, nichts daran ist geheim. Wir müssen keine Vermutungen anstellen. Wir wissen nur nicht, in welcher Welt wir 2036 leben. Aber mir scheint es recht sicher zu sein, dass die Sicherheitsstandards noch sehr viel weiter nach oben gehen werden, wie es auch die letzten Jahrzehnte bereits war.
Wir wissen heute schon, dass es keine Wiederholung von 1972 geben kann. Damals fing es ja an mit den Anschlägen auf die israelischen Sportler:innen, das sTerrorisms bei Großevents ernst genommen werden musste. Wir können nicht so tun, als wäre 2036 das gleiche zu erwarten wie 1972. Das ist einfach unseriös!
Aber wir erleben eben bereits heute, dass Wirtschaftsinteressen über die Vernunft gestellt werden. Wie ich in einem Radiounterview gestern bereits sagte: Bezahlen werden das nicht die, die den prozeß heute ansprechen und auch nicht die Wirtschaft die dafür wirbt. Bezahlen werden das die einfahen Bürger:innen in der Zukunft!