Olympia in Kiel Abstimmunginformationen
Thilo Pfennig
Da die Stadt Kiel es nicht geschafft hat, diesen Text online zu stellen oder mit dem Beginn der Abstimmungen zur Verfügung zu stellen hier also von mir. Hier auch als ODT
„Sind Sie dafür, dass sich die Landeshauptstadt Kiel an der Seite eines deutschen Hauptaustragungsortes um die Austragung Olympischer und Paralympischer Segelwettbewerbe sowie möglicher weiterer Sportarten (zum Beispiel Freiwasserschwimmen, Coastal Rowing (Küstenrudern), Handball und Rugby) für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 bewirbt?“
Hintergrundinformationen zur Fragestellung
Für eine deutsche Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die Konzepte der möglichen Hauptaustragungsorte – Berlin, Hamburg, München sowie der Rhein-Ruhr-Region – sportfachlich geprüft und bestätigt. In allen Konzepten ist Kiel als potenzieller Austragungsort für die Segelwettbewerbe – und möglicherweise auch weiterer Sportarten wie Handball, Rugby, Coastal Rowing und Freiwasserschwimmen – eingeplant. Vorgesehen ist eine Bewerbung für die Austragung der Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044.
Die Landeshauptstadt Kiel und das Land Schleswig-Holstein unterstützen dieses Vorhaben aktiv. Bereits im November 2024 wurde sowohl im Landtag als auch in der Kieler Ratsversammlung (Drucksache 1355/2024) beschlossen, dass Kiel sich als Austragungsort für die Segelwettbewerbe bewerben soll.
Eine endgültige Entscheidung darüber, mit welchem Konzept Deutschland ins Rennen um Olympische und Paralympische Spiele geht, soll im September 2026 auf einer außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung getroffen werden.
Bis dahin sind alle beteiligten Städte aufgerufen, ihre Bürger*innen aktiv in den Prozess einzubeziehen. Die Landeshauptstadt Kiel beteiligt mit einem Bürger*innenentscheid am 19. April 2026 alle stimmberechtigten Kieler*innen ab 16 Jahren.
Standpunkte und Begründungen der Ratsmehrheit
Kiel – eine starke Partnerin
Kiel wäre Partnerin einer gemeinsamen Bewerbung mit einer der vier deutschen Hauptaustragungsorte – mit dem Know-how als Ausrichterin der weltgrößten Regattaveranstaltung Kieler Woche, als Destination des Ocean Race und als Starthafen des Ocean Race Europe sowie als zweimalige Olympiastadt. Kiel genießt eine internationale Segelreputation von großer weltweiter Strahlkraft.
Zukunftsinvest
Großprojekte verursachen Kosten, aber Kiel plant nachhaltige und vor allem maßvolle Investitionen, die die bestehende Infrastruktur modernisieren und langfristig Nutzen bringen. Kein Projekt wird ausschließlich für Olympische und Paralympische Spiele gedacht, vielmehr können die Spiele ein Katalysator bei schon geplanten Projekten sein.
Nachhaltigkeit als Vorbild leben
Nachhaltigkeit wird bei der Kieler Bewerbung in allen Dimensionen gedacht – ökologisch, sozial und ökonomisch. Vorrangig werden bestehende Anlagen genutzt, und dort, wo Neubau nötig ist, werden Nachnutzungskonzepte bereits bei der Planung entwickelt. Beispielsweise wird das Olympische Dorf so geplant, dass es anschließend als sozial nutzbarer Wohnraum zur Verfügung stehen kann.
Finanzierung
Die finanziellen Anforderungen an einen olympischen Segelstandort sind nicht vergleichbar mit dem Aufwand im Hauptaustragungsort. Eine wesentliche Maßnahme ist die Bereitstellung der Unterkünfte für die Athlet*innen und Offiziellen. Hierfür plant Kiel den Bau des Olympischen Dorfes zwischen Schilksee und Strande, der anschließend als bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Dieser soll mit Fördermitteln realisiert werden. Daher würden lediglich der Ausfall der Mietzahlungen für den Zeitraum der Nutzung sowie der spätere Aufwand für Anpassungen im Zuschnitt der Wohnungen anrechenbar sein.
Ansonsten erfüllt der Segelstandort schon heute wichtige Anforderungen und muss lediglich später angepasst oder durch temporäre Bauten ergänzt werden. Diese Ausgaben sollen über das nationale Budget für die Austragung der Spiele in Deutschland gedeckt werden. Demgegenüber stehen Einnahmen, beispielsweise aus Eintrittsgeldern und Mitteln vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC).
Ausgaben im Zusammenhang mit dem Bürger*innenentscheid und Personal, welches in der Bewerbungsphase benötigt wird, werden von der Landeshauptstadt getragen. Später würden im Falle der internationalen Bewerbung Bundesmittel zur Verfügung stehen.
Gemeinschaft, Inklusion & Begeisterung schaffen!
Olympische und Paralympische Spiele verbinden. Sie bringen Menschen zusammen – über Generationen, Stadtteile und persönliche Hintergründe hinweg. Ehrenamt, Partizipation, Inklusion: Kiel erlebt ein gemeinsames Projekt, das ein Miteinander schafft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.
Ehrenamt & Vereine stärken
Kiel weiß, wie Großveranstaltungen gehen. Tausende Engagierte tragen und ermöglichen jedes Jahr Sportgroßveranstaltungen wie die Kieler Woche oder das Ocean Race. Olympische und Paralympische Spiele geben dem ehrenamtlichen Engagement Rückenwind und sorgen für noch mehr Know-how, für Anerkennung und für unvergessliche Momente bei den Ehrenamtlichen aus den Kieler Vereinen.
Jugend inspirieren & Perspektiven eröffnen
Wenn die Welt nach Kiel blickt, schauen junge Menschen genau hin und lassen sich von Olympischen und Paralympischen Vorbildern motivieren zu Bewegung, Leistung und Teamgeist – im Sport, aber auch darüber hinaus. Olympische und Paralympische Spiele bedeuten auch gleichberechtigte Teilhabe, die Möglichkeit zur Weiterbildung und das Definieren neuer Möglichkeiten.
Kurze Wege, große Wirkung
Kiel ist eine Stadt der kurzen Wege. Sportstätten, Unterkünfte, Innenstadt und Förde liegen nah beieinander. Das spart Zeit, Geld und CO₂. Olympia und Paralympics in Kiel heißen: keine endlosen Transfers, keine Gigantomanie – sondern Spiele, die für Athlet*innen, Besucher*innen und Anwohner*innen gleichermaßen funktionieren und ein Erlebnis sind.
Den Sport voranbringen
Olympische und Paralympische Spiele liefern einen besonderen Schub für den Breitensport und dienen als Motor für unsere Vereine. Sie bringen frischen Wind, neue Mitglieder und modernisierte Sportstätten. Denn schon die heute aufgelegten Fördermaßnahmen von Bund und Land zeigen einen wichtigen Weg auf, der durch Olympische und Paralympische Spiele noch verstärkt werden kann. Zudem können die Investitionen in die Sportinfrastruktur durch eine Bewerbung beschleunigt werden. Davon profitieren die Kieler*innen auch nach den Spielen: Es entstehen zeitgemäße Sportstätten für die Bevölkerung unserer Stadt.
Werbung für Kiel
Kiel profitiert als Austragungsort mit einem nachhaltigen Konzept. Die Effekte für Tourismus, Wirtschaft und Mobilität sind enorm. Kiel kann sich als maritimer, weltoffener Standort zeigen, die Marke Kiel Sailing City international präsentieren und vorleben, wie Gastfreundschaft norddeutsch gelebt wird.
Kostenaufstellung
Ja, Olympische und Paralympische Spiele kosten Geld. Genau deshalb ist es wichtig, transparent zu unterscheiden, welche Kosten von wem getragen werden und wie sich Investitionen refinanzieren lassen.
Bewerbungskosten
Früher lagen die Kosten für eine Bewerbung für einen Hauptaustragungsort bei 30 bis 40 Millionen Euro. Durch Reformen des IOC sind sie deutlich gesunken. Finanziert werden sie gemeinsam von Bund, Kommunen und Regionen, zusätzlich können Sponsor*innen beitragen.
Für Kiel belaufen sich die Bewerbungskosten auf einen deutlich geringeren Anteil:
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Bürger*innenentscheid | 304.000,00 € |
| Personalkosten | 52.000,00 € |
| Events und Öffentlichkeitsarbeit Landeshauptstadt Kiel | 40.000,00 € |
| Gesamt | 396.000,00 € |
| Ausfall der Mietzahlungen und Umbau des Olympischen Dorfes | 8.000.000,00 € |
Die Kampagne für den Bürger*innenentscheid wurde durch die regionale Wirtschaft finanziert.
Weiterer Aufwand, der im Zusammenhang mit der internationalen Bewerbung und der späteren Durchführung der Spiele in Kiel entsteht, wird über das nationale Olympiabudget gedeckt werden. Zudem stehen den Ausgaben Fördermittel von Land und Bund gegenüber, sodass die Belastung für den städtischen Haushalt deutlich geringer ausfällt.
Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland sind eine Investition in die Zukunft mit klaren Finanzierungsmodellen und langfristigem Nutzen für Gesellschaft und Sport.
- (Quelle: dafuer-sein-ist-alles.de/fakten-und-fragen, Stand: 20. Januar 2026)